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Nov 06, 2019 - Zoltán Kovács

Wir erinnern uns an den 4. November 1956: Ein dunkler Tag in der Geschichte Ungarns

Sowjetische Panzer haben zwar die Revolution von 1956 auf den Straßen Ungarns niedergeschlagen, aber ihr Geist lebte im Herzen des Volkes weiter.

Am 4. November 1956 um 4:15 Uhr morgens wurde eine Operation mit der ausdrücklichen Absicht gestartet, die Revolution mit überwältigender sowjetischer Militärmacht zu unterdrücken. Kurz nach 5 Uhr morgens wurde eine Radiosendung ausgestrahlt, in der János Kádár die neue ungarische Arbeiter-Bauern-Regierung angekündigte. Die Revolution habe sich in einen „faschistischen Aufstand“ verwandelt, sagte Kádár. Der Name seiner neuen Regierung brachte keine geringe Ironie mit sich, wenn man bedenkt, dass es die beiden größten Segmente der ungarischen Gesellschaft waren, nämlich die Arbeiter und die Bauern, die sich gegen den Kommunismus erhoben hatten.

Als Reaktion auf die sowjetische Invasion sprach Imre Nagy im Radio die Nation an und erklärte, die Sowjets hätten Ungarn überfallen, um die legale – und in seinen Worten demokratische – Regierung zu stürzen. Die Rede wurde dann in einer Schleife wiederholt und in verschiedenen Sprachen, einschließlich Englisch und Deutsch, vorgelesen.

Nagy und seine Mitarbeiter suchten Zuflucht in der jugoslawischen Botschaft, da Jugoslawien, obwohl kommunistisch, nicht Teil des Warschauer Paktes war. Die Absicht war, die Sowjets nicht mit jener Munition zu versorgen, dass er zu einer Marionette des Westens geworden war. Kardinal József Mindszenty suchte ebenfalls Zuflucht, ging aber zur amerikanischen Botschaft, wo er bis 1971 blieb.

Nagy rief in seiner Rede nach der Invasion zu keinem anhaltenden bewaffneten Widerstand auf. Trotzdem kehrten die revolutionären Gruppen auf die Straße zurück und nahmen den Kampf wieder auf. Über den Grund, warum Nagy die revolutionären Gruppen nicht gebeten hatte, weiter Widerstand zu leisten, herrscht allgemeines Einverständnis: Nagy befürchtete wahrscheinlich, dass die Lage hoffnungslos sei, und er wollte unnötiges Blutvergießen verhindern. Um das Ausmaß der Operation in die richtige Perspektive zu rücken, sandten die Sowjets 17 zusätzliche Divisionen, um die fünf Divisionen, die bereits in Ungarn waren – genug Truppen, um Ostdeutschland zu besetzen – zu verstärken, um Budapest einzunehmen.

Obwohl die Kämpfe wieder aufgenommen wurden (und einige der mutigen Freiheitskämpfer ihren Widerstand wochenlang fortsetzten), waren die Ungarn militärisch unterlegen und das sowjetische Militär konnte siegen. Doch obwohl die Revolution von 1956 niedergeschlagen wurde, war es nicht das Ende der Geschichte.

Bildnachweis: Fortepan